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Freitag, 5. Januar 2007
Heliobus am Bosporus
Eine Lichtsäule aus St. Gallen strahlt in den Istanbuler Nachthimmel und bringt tagsüber die Sonne ins Haus
St. Gallen. Sie bringen Licht ins Dunkel drinnen wie draussen: Die hellen Köpfe der St. Galler Firma Heliobus wissen Licht effizient zu nutzen, am Tag und in der Nacht.
REGINA PARTYNGL
Unter der Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke glitzert der Bosporus. Draussen scheint die Sonne. Drinnen auch. Nicht nur durchs Fenster des Istanbuler Geschäftshauses, sondern mitten im Raum. Aus einer durchsichtigen Röhre tänzeln ihre Strahlen.
Ein Spiegel, der die Sonne einfängt und umlenkt, ein Hohlkörper, der sie leitet, und der raffinierte Einsatz von Glas, Spiegeln und Folien machen es möglich. 21 Meter hoch ist die Heliobus-Lichtsäule in Istanbul. Über 15 Meter durchstösst sie alle Stockwerke, sechs Meter ragt sie über das Gebäude hinaus. Tagsüber verteilt sie Sonnenlicht in den Räumen, nachts strahlt sie Kunstlicht aus dem Inneren des Gebäudes aus.
Ohne Werbung
Das St. Galler Unternehmen Heliobus hat sich auf das Spiel mit der Lichtbrechung und -reflexion spezialisiert und hat grossen Erfolg damit. Es steigert seinen Umsatz jährlich um zweistellige Prozentzahlen. Lichtsäulen und andere Sonnenlicht-Skulpturen von Heliobus zieren unter anderem den Potsdamer Platz in Berlin, stehen in St. Moritz, Davos und nun auch in Istanbul. Der Formenvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. Anfragen für die ausgeklügelten Konstruktionen kommen aus Dubai, Ägypten, Marokko, Hongkong und London ohne dass Heliobus für sich wirbt. Die Interessenten stöbern das innovative St. Galler Unternehmen im Internet auf. So auch der Istanbuler Bauherr.
Das kleine Team um Bauingenieur Rudolf Signer designt die Sonnenlichtsysteme im Sittertobel und baut die vorgefertigten Elemente auch dort zusammen. Im vergangenen Herbst fuhr ein voll gepackter Lastwagen vom Sittertobel in die Bosporus-Metropole. Ken Tompkins (siehe Kasten), der für die Planung und Montage der Lichtsäule verantwortlich war, legte sich in Istanbul mehrere Wochen ins Zeug.
Mit Spiegeln Keller erhellen
Viel unterwegs zu sein, ist für die Mitarbeiter der St. Galler Firma gang und gäbe. Wenn sie nicht mit der Installation von Sonnenlicht-Skulpturen beschäftigt sind, erhellen sie Kellerräume. Dabei kleiden sie herkömmliche Lichtschächte mit Glasspiegeln so aus, dass diese Tageslicht ins Untergeschoss leiten. Dies anders als bei den Sonnenlichtsystemen wetterunabhängig.
Die patentierte Erfindung bringt rund 20 Mal mehr Tageslicht in unterirdische Zimmer, als durch einen gewöhnlichen Lichtschacht hereingelangt. Die Räume werden dadurch nicht nur gemütlicher und besser nutzbar, der Spiegelschacht gibt auch den Blick nach oben frei. Man sieht dann sozusagen im Keller aus dem Fenster. Mehr als tausend solcher Spiegelschächte hat das Heliobus-Team schon installiert. Im vergangenen Jahr erstmals auch in den USA.
Kundenempfang im Heliomobil
Die Heliobus-Tüftler empfangen ihre Kunden nicht im Büro, sondern in einem Bus im Heliomobil, ihrer mobilen Verkaufsstätte. An einem Spiegelschacht-Modell demonstrieren sie den Vorher-nachher-Effekt ihrer Konstruktion. Die Wirkung scheint zu überzeugen.
Anstatt das Licht, wie bei der Glasfaserkabel-Technik, durch ein bestimmtes Material zu leiten, lenken es die Heliobus-Mitarbeiter durch die Luft. Das hat den Vorteil, dass das Licht seine Eigenschaften nicht einbüsst. Der Sonnenschein aus der Säule wärmt auch drinnen, und das Tageslicht aus dem Schacht spiegelt sich in seiner ganzen Unbeständigkeit auf den Wänden wider. Solange die Sonne jeden Tag aufgeht, muss Heliobus daher nicht um seinen nachhaltigen «Rohstoff» bangen.
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