Einstieg in den Massenmarkt
Heliobus will mit Spiegelschächten Geld verdienen
Mit Objekten wie den Licht-säulen am Potsdamer Platz hat die St. Galler Heliobus Prestige gewonnen. Jetzt will sie Geld verdienen.
Thomas Griesser
Die Pilot-Lichtsäule der Heliobus AG ist im St. Galler Schulhaus Boppartshof installiert. Sie transportiert Tageslicht ins Gebäude als Alternative zu einer künstlichen Lichtquelle. Den gleichen Dienst versehen in Berlin drei Lichtsäulen am Potsdamer Platz, welche die darunter liegende U-Bahn-Station erhellen. Geld verdient hat Heliobus laut Firmenchef Rudolf Signer mit diesem Projekt nicht; sie dienen aber als Referenzobjekte und sind gut fürs Image.
Licht in dunkle Keller
Um das Unternehmen auf eine wirtschaftlich tragfähige Basis zu stellen, expandiert Heliobus nun über das Feld der Spezialanlagen hinaus in den Massenmarkt. Diesen erobern will man mit Spiegelschächten, die in Lichtschächten eingebaut werden. Das patentierte System erlaubt es laut Signer, 15 bis 20 Mal mehr Tageslicht in Kellerräume zu transportieren als bei den herkömmlichen Schächten. Im Vertrieb kooperiert Heliobus in der Schweiz bei Neubauten mit der Crea Beton AG, der nationalen Marktführerin für Beton-Lichtschächte. Signer sieht ein Potenzial von 2000 bis 3000 Spiegelschächten pro Jahr. Dies basiert auf der Rechnung, dass von 30 000 neuen Lichtschächten, die jährlich installiert werden, deren 10% den Hausbewohner vor «ein echtes lichttechnisches Problem» stellen.
Wohlbefinden statt Spareffekt
Ein Potenzial in ähnlichem Ausmass sieht Signer in der Nachrüstung bestehender Lichtschächte. Während Signer die Kosten dafür auf 4000 bis 6000 Fr. pro Stück veranschlagt, komme ein Spiegelschacht im Neubau nur etwa 2000 Fr. teurer zu stehen als ein herkömmlicher Schacht. Lichtprobleme lassen sich natürlich auch mit Kunstlicht lösen, und die Energiekosten sind gering. Laut Signer liegt der Vorteil des Heliobus-Systems denn auch eher im Wohlbefinden, das Tageslicht dem Menschen bringe. Als erwünschte Nebeneffekte des Spiegelschachts erwähnt Signer einen besseren Einbruchschutz und Abschottung gegen Schmutz, Insekten, Laub usw. Die Spiegelschächte sollen später auch international vertrieben werden, und Heliobus treibt zudem die Anwendungsmöglichkeiten der Lichtsäulen voran. Vor der Marktreife stünden etwa kleinformatige Lichtsäulen für Wohnhäuser oder Deckenbeleuchtungssysteme, die mit Tageslicht arbeiten.
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